Winsen, am Mittwoch den 18.02.2026

Zehn Jahre Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

von Landkreis Harburg am 18.02.2026


Zakaria erinnert sich noch genau, wie er vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam – nach einem langem Weg „zwischen Tod und neuem Leben“, ohne Sprachkenntnisse, ohne Eltern und auf sich allein gestellt. Der Beginn eines neuen Lebens mit Unterstützung und Hilfe: „Der 26. April 2023 war mein Wendepunkt. Da wurde aus Überleben Leben mit Bedeutung.“ Denn als sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtling kam Zakaria in den Landkreis Harburg – und damit in die Obhut der Abteilung Jugend und Familie der Kreisverwaltung. Für ihn ein Glücksfall, wie er erzählt: „Das Jugendamt sieht in uns keine Nummer, sondern Menschen mit Würde und Möglichkeiten.“

Inzwischen bereitet sich Zakaria auf den Schulabschluss vor. Und so wie ihm ging es in den vergangenen zehn Jahren vielen jungen Menschen: 421 Kinder und Jugendliche kamen seit 2015/2016 als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Landkreis Harburg. Dort wurden sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie weiteren Akteuren der freien Jugendhilfe und Schulen betreut und unterstützt – zehn ereignisreiche Jahre, die jetzt Gelegenheit boten, auf die gemeinsame Arbeit und die erreichten Fortschritte zurückzublicken und eine positive Bilanz zu ziehen. „Das sind zehn Jahren gelebte Hoffnung“, fasst Zakaria zusammen.

Es war eine gelungene Veranstaltung in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Winsen zum Thema „10 Jahre Betreuung junger Menschen, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind“. Gerade für einige ehemals Betreute war es teilweise ein Wiedersehen nach einigen Jahren untereinander, aber auch mit ihren ehemaligen Betreuerinnen und Betreuern. Daneben war die Veranstaltung Anlass auf die persönliche Entwicklung der Betreuten zu blicken, auf ihre wichtigen Schritte in Schule, Ausbildung und Alltag sowie die gemeinsame Arbeit – und natürlich Gelegenheit zur Begegnung und zum Erfahrungsaustausch.

Seit 2015/2016 sind 421 jungen Menschen als Minderjährige gekommen, die meisten von ihnen aus Afghanistan und Syrien, aktuell werden 120 Jugendliche betreut. Viele der in 2015/2016 Eingereisten haben sich ein neues Leben in einer neuen Heimat aufgebaut. Sie haben die Sprache gelernt, sind inzwischen gut integriert und berufstätig. Sie haben die Schule und eine Ausbildung absolviert, teilweise sogar ein Studium – sie haben es geschafft und stehen inzwischen auf ihren eigenen Beinen.

So wie auch Nadeem, der 2015 aus Afghanistan kam. Der 26-Jährige hat inzwischen eine Informatikausbildung absolviert, sich eine Existenz aufgebaut. „Der Anfang ist schwer. Das Gefühl, fremd zu sein, ist real. Aber es bleibt nicht immer so“, stellte er fest. Auch er erinnert sich an Einsamkeit und Heimweh nach seiner Ankunft, an die fremde Sprache und Kultur und das Gefühl, nicht dazuzugehören. „Aber es gab immer die Hoffnung, hier eine Zukunft aufzubauen.“ Und immer seien Menschen für ihn da gewesen.

„Hinter jedem Abschluss, hinter jeder Ausbildung, hinter jedem Arbeitsplatz steht Mut, Durchhaltevermögen – und ein großer Wille, sich ein Leben aufzubauen, sich in die Gesellschaft einzubringen und eine neue Heimat zu finden“, betonte auch Kreisrätin Ana Cristina Bröcking. Sie ließ die Ereignisse Revue passieren, erinnerte daran, wie im Herbst 2015 die ersten Busse mit Geflüchteten am Kreishaus eintrafen. „Damals stand auch unser Landkreis vor einer großen Herausforderung. Innerhalb kürzester Zeit kamen sehr viele geflüchtete Menschen nach Deutschland – darunter auch Jugendliche ohne Eltern, die besondere Unterstützung und besonderen Schutz benötigten.“

Sie wurden in Obhut genommen, entsprechende Plätze für sie geschaffen. „Das war eine Situation, die niemand planen konnte, für die es keine Blaupause gab. Aber es war eine Situation, der sich unser Landkreis erfolgreich gestellt hat“, so die Kreisrätin und hob den Einsatz der vielen Akteurinnen und Akteure hervor: „Diese Aufgabe konnte nur bewältigt werden, weil viele Menschen Außergewöhnliches geleistet haben.“ Denn die Jugendhilfeträger haben engagiert und Hand in Hand gearbeitet. „Diese Zusammenarbeit verdient Respekt und ist keine Selbstverständlichkeit.“ Dabei ging die Kreisrätin auch auf den Einsatz der Schulen ein: „Integration beginnt nicht erst in der Jugendhilfe, sondern ganz zentral im Bildungsbereich.“

Ana Cristina Bröcking machte aber auch deutlich: „Wir tragen Verantwortung für die jungen Menschen, die hier sind und die unserer Jugendhilfe anvertraut werden. Der Landkreis Harburg gestaltet aber keine Migrationspolitik. Unsere Bemühungen gelten den jungen Menschen und sind Ausdruck selbstverständlicher rechtsstaatlicher und humanitärer Verantwortung.“

Seine guten Erfahrungen, wie sich die Geflüchteten in die Arbeitswelt integrieren lassen, schilderte dann Frank Soetebier. Er beschäftigt rund 60 Menschen in seinem Bäckereibetrieb, die als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Voraussetzung, damit das funktionieren könne, sei jedoch immer die Kenntnis der deutschen Sprache. Die Geflüchteten können das nur bestätigen. „Lernt die Sprache“, appellierte auch Nadeem.

Bild © Landkreis Harburg / Bildunterschrift 1:

Kreisrätin Ana Cristina Bröcking spricht zusammen mit Zakaria (links) und Nadeem über Herausforderungen und Erfolge.

Bild © Landkreis Harburg / Bildunterschrift 2:

Nadeem und Petra Elvers von der Abteilung Jugend und Familie schildern bei der Veranstaltung in den BBS Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre.



© Fotos: Landkreis Harburg


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