Winsen, am Mittwoch den 28.01.2026

Wenn aus Kratzern Chancen werden

von Johann-Peter-Eckermann-Realschule am 22.01.2026



Ein tiefer Kratzer im Kotflügel, matte Lackstellen, ein sichtbarer Unfallschaden – was Autofahrer ärgert, gehört für Fahrzeuglackierer zum beruflichen Alltag. Mit genau solchen realen Arbeitssituationen starten auch in diesem Schuljahr besondere Unterrichtseinheiten an der Johann-Peter-Eckermann-Realschule. Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs tauschen im Wahlpflichtkurs Karosseriebau das Klassenzimmer gegen die Werkbank und erlebten hautnah, wie aus beschädigten Oberflächen wieder makelloser Glanz entsteht.

Möglich wird dieses praxisnahe Lernen durch die Kooperation mit dem Unfall- und Lackierzentrum Neubauer. Der Betrieb stellt der Schule nicht nur Werkstattflächen zur Verfügung, sondern bringt vor allem sein Fachwissen direkt in den Unterricht ein. Dabei profitieren die Jugendlichen von einem besonderen Konzept: Lernen auf Augenhöhe.
Im Mittelpunkt steht ein Peer-to-Peer-Ansatz, bei dem zwei Auszubildende des Betriebs die Schülerinnen und Schüler fachpraktisch begleiten. Nach einer kurzen Theorieeinheit folgt stets die Umsetzung in der Werkstatt. Schleifen, spachteln, grundieren, füllern – Arbeitsschritte, bei denen Genauigkeit entscheidend ist. „Jede Stelle, die lackiert werden soll, muss absolut glatt und sauber sein“, erklärt Auszubildender Oliver Majchrzak den Jugendlichen. Für ihn ist die Rolle als Anleiter etwas Besonderes, denn er war selbst Schüler der Eckermann-Realschule. Gemeinsam mit seinem Azubikollegen zeigt er, welche Materialien und Werkzeuge für unterschiedliche Untergründe geeignet sind.
Dass hier junge Menschen junge Menschen anleiten, sorgt für eine offene Atmosphäre. Fragen werden ohne Scheu gestellt, ausprobiert wird direkt am Werkstück. So entsteht Unterricht, der nah an der Lebenswelt der Jugendlichen ist und gleichzeitig realistische Einblicke in handwerkliche Berufsbilder bietet.

Praxisnahe Berufsorientierung mit Wirkung

Gerade im Handwerk, in dem bundesweit zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, gewinnen solche Formate an Bedeutung. Sie verbinden schulisches Lernen mit praktischer Erfahrung und helfen Jugendlichen, eigene Stärken und Interessen zu entdecken. Die Johann-Peter-Eckermann-Realschule nutzt dafür gezielt die vom Niedersächsischen Kultusministerium eröffneten Freiräume, um Unterricht praxisorientiert weiterzuentwickeln.
Auch aus Sicht des Betriebs ist die Zusammenarbeit ein Gewinn. Geschäftsführer Sönke Neubauer betont, dass es ihm dabei nicht nur um Nachwuchsgewinnung gehe, sondern darum, jungen Menschen frühzeitig Orientierung zu bieten. Wer Handwerk real erlebe, könne bewusster entscheiden, welchen beruflichen Weg er einschlagen möchte.
So werden aus Kratzern Lernchancen, aus Unterricht echte Erfahrung – und aus ersten Begegnungen mit der Werkstatt vielleicht schon die Fachkräfte von morgen.

© Fotos: Johann-Peter-Eckermann-Realschule


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