Winsen, am Freitag den 02.10.2026

Sammlung für Frieden und Versöhnung

von Landkreis Harburg am 02.10.2026


Auf einmal gibt die Donau die Vergangenheit frei: Durch den niedrigen Wasserstand im Sommer kommen in Budapest die sterblichen Überreste zweier Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg im schlammigen Flussbett zum Vorschein. Kein Einzelfall: Auch mehr als 80 Jahre nach Kriegsende werden immer noch Kriegstote entdeckt, identifiziert und würdig bestattet. Funde wie diese zeigen eindrücklich: Die Spuren von Krieg und Gewaltherrschaft sind bis heute nicht verschwunden. Daran zu erinnern und zugleich für Frieden und Versöhnung einzutreten, ist die Aufgabe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Unter dem Motto „Gemeinsam für den Frieden“ findet deshalb in den Wochen im Herbst rund um den Volkstrauertag im November wieder die traditionelle Haus- und Straßensammlung des Volksbundes im Landkreis Harburg statt. Die blauen Sammeldosen stehen bereit, außerdem bittet der Volksbund, Spenden direkt zu überweisen.

„Die Kriegsgräber sind weit mehr als Zeugnisse der Vergangenheit. Sie führen uns sehr unmittelbar vor Augen, wie lange Krieg, Gewalt und Zerstörung nachwirken und welches Leid sie über Menschen und Familien bringen“, sagt Landrat Rainer Rempe, Kreisvorsitzender des Volksbundes. „Umso bedrückender ist es, dass auch heute weltweit neue Kriegsgräber entstehen – und mit dem Krieg in der Ukraine sogar mitten in Europa. Gerade in diesen Zeiten ist der Einsatz des Volksbundes deshalb von besonderer Bedeutung: Er hält nicht nur die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wach, sondern leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Bildungs- und Friedensarbeit. Die Kriegsgräber mahnen uns, dass Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind.“

17 Millionen Menschen sind im Ersten Weltkrieges umgekommen, 55 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg sind das furchtbare Ergebnis von Nationalismus, Fremdenhass, Diktatur und Völkermord. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erhält und betreut Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Er kümmert sich heute um 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Zudem hilft er Familien, das Schicksal ihrer Angehörigen zu klären und ihr Grab ausfindig zu machen. Noch immer werden Kriegstote gefunden, identifiziert und würdig bestattet.

Allein in Deutschland befinden sich über 12.000 Kriegsgräberstätten, auf denen mehr als 1,8 Millionen deutsche und ausländische Tote des Ersten und Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Zu den Ruhestätten gehören aber auch die Denkmäler und Friedhöfe des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und der deutsch-dänischen Kriege von 1848/51 und 1864.

Auch im Landkreis Harburg erinnern zahlreiche Kriegsgräber an die Schrecken des Krieges: Auf 24 Friedhöfen sind insgesamt 767 Kriegstote bestattet, davon ruhen 656 in Einzelgräbern und 111 in 5 Sammelgräbern.

Der Volksbund kümmert sich aber nicht nur um die letzten Ruhestätten von Soldaten. Er betreibt zudem eine umfangreiche Jugend- und Bildungsarbeit, darunter auch internationale Begegnungen. „Der Volksbund leistet so einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Er bewahrt das Gedenken und stärkt das Bewusstsein dafür, dass wir alle Verantwortung tragen, aus der Geschichte zu lernen“, betont Erster Kreisrat Josef Nießen, der Kreisgeschäftsführer des Volksbundes.

Die Spenden gerade aus der Haus- und Straßensammlung sind eine wichtige Einnahmequelle, um die Arbeit fortsetzen zu können. Wer diese Friedensarbeit unterstützen möchte, kann seine Spende direkt auf das Spendenkonto des Volksbundes, Lüneburg, IBAN DE 40 2405 0110 0050 0377 04, überweisen. 25 Euro beispielsweise reichen aus, um fünf Kriegsgräber ein Jahr zu pflegen, eine Spende von 100 Euro unterstützt die Suche nach einem Kriegstoten, seine Identifizierung und würdige Bestattung.



© Fotos: Landkreis Harburg


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