Planspiel „Nation und Du“
von Johann-Peter-Eckermann-Realschule am 30.04.2026Wer gestaltet, wie wir zusammenleben?
Jugendliche erproben im Planspiel „Nation und Du“ politische Entscheidungsprozesse der Wendezeit
Wie entsteht Zusammenhalt in einer Gesellschaft – und wie werden politische Entscheidungen eigentlich getroffen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Klassen 9a und 9d der Johann-Peter-Eckermann-Realschule am 29. und 30. April im Jugendzentrum EGON’s. Im Planspiel „Nation und Du“ wurde Politik nicht erklärt, sondern erlebt: im Austausch, im Konflikt und im Ringen um Lösungen.
Unter der Leitung von Marius Fröchling vom Haus Rissen übernahmen die Schülerinnen und Schüler die Rollen fiktiver politischer Parteien wie Soziale Moderne, TechUtopia oder Monarchy No. Ausgangspunkt war die Umbruchphase der Jahre 1989/90. In aufeinander aufbauenden Verhandlungsrunden entwickelten die Gruppen politische Programme, reagierten auf neue gesellschaftliche Herausforderungen und mussten Mehrheiten organisieren. Dabei ging es um Grundfragen wie Mitbestimmung, Freiheitsrechte, wirtschaftliche Perspektiven und die Ausgestaltung eines zukünftigen Gemeinwesens. Entscheidungen hatten unmittelbare Folgen für den weiteren Verlauf des Spiels – und machten die Dynamik politischer Prozesse unmittelbar erfahrbar.
Die 15-jährige Alma Röber schilderte, es sei besonders eindrücklich gewesen, politische Verantwortung selbst zu übernehmen und nicht nur von außen auf Entscheidungen zu schauen. Gerade das Einnehmen ungewohnter Perspektiven habe den Blick auf politische Diskussionen verändert.
Im Verlauf wurde deutlich, wie komplex demokratische Aushandlungsprozesse sind: Interessen standen sich gegenüber, Kompromisse mussten gefunden und immer wieder neu begründet werden. Stephan Müller, 15 Jahre, merkte an, dass man erst im eigenen Handeln verstanden habe, wie schwierig es sei, Lösungen zu entwickeln, die möglichst viele Interessen berücksichtigen.
Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse vor einer Jury, der unter anderem Ana Cristina Bröcking, André Wiese, Stefan Baumann, Hans-Jürgen Börner, Hans-Georg Preuß, Rudolf Meyer sowie Dr. Agata Klaus von der Deutschen Nationalstiftung angehörten. Als Gewinnergruppe wurde „Monarchy No“ ausgezeichnet. Die Jury würdigte die hohe Qualität des politischen Diskurses, die differenzierten Argumentationen und die Vielfalt der entwickelten Ideen für das gesellschaftliche Zusammenleben. Dr. Agata Klaus betonte, es sei bemerkenswert gewesen zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit und gedanklichen Tiefe die Jugendlichen politische Fragestellungen durchdrungen und eigene Lösungen entwickelt hätten.
Am Ende stand weniger eine fertige Antwort als vielmehr eine Erfahrung: dass demokratische Entscheidungen Zeit, Auseinandersetzung und die Bereitschaft zum Perspektivwechsel brauchen – und genau darin ihre Stärke liegt.
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