Nachhaltig und zukunftssicher heizen
von Landkreis Harburg am 06.10.2026für viele ist es der Inbegriff von Romantik und Behaglichkeit: Durch die Ofenscheibe sieht man die sanft tanzenden Flammen, Holzscheite knacken und sorgen nicht nur für eine wohlige Wärme, sondern für Geborgenheit. „Ein Feuer im Kaminofen sorgt gerade in der Übergangszeit für angenehme Wärme und Gemütlichkeit“, weiß Schornsteinfegermeister Bernd Hammann. Doch das Heizen mit Holz ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern eine Möglichkeit, nachhaltig zu heizen und sich ein Stück weit unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen – und ein Thema bei den Wochen der Wärme im Landkreis Harburg, bei denen die Stabsstelle Klimaschutz des Landkreises Harburg mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) und dem Schornsteinfegerhandwerk kooperiert.
„Entscheidend ist aber, dass richtig geheizt wird“, betont Schornsteinfeger Hammann. Denn so gemütlich der Ofen ist, bei falscher Bedienung kann er schnell zum Problem für Umwelt und Gesundheit werden. Schon um das Feuer im Ofen zu entfachen, sollten einige Grundregeln beachtet werden – und das beginnt bereits beim Anzünden. Vorsichtig legt Bernd Hammann zwei Holzscheite in den Kaminofen. Dann greift er zum Anzünder. „Auf keinen Fall nach unten legen“, rät er. „Ein Ofenfeuer muss von oben nach unten runterbrennen. So kommt die Verbrennung schnell auf Temperatur und die Rauchentwicklung kann reduziert werden.“ Und statt des Anzünders einfach Zeitungspapier verwenden? „Auf keinen Fall“, wehrt der Fachmann ab. „Papier und Karton sind keine geeigneten Brennstoffe und können zu unnötigen Schadstoffemissionen führen. Die stecken voll mit chemischen Verbindungen, mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun. Für Papier gibt es die Altpapiertonne.“
Sein Kollege Ole Wolf nickt. Der Schornsteinfegermeister kennt die typischen Fehler beim Heizen nur zu gut. Oft genügt ihm schon ein Blick auf die Ofenscheibe. Ist sie schwarz verrußt, stimmt meist etwas nicht: Das Holz ist womöglich zu feucht oder das Feuer wurde falsch angezündet. Ein häufiger Fehler ist, die Luftzufuhr zu früh zu reduzieren. Das Holz sollte mit ausreichend Verbrennungsluft zügig und mit hellen Flammen abbrennen; starkes Qualmen und eine schnell verrußende Scheibe sind Warnsignale. „Wenn es schön sauber aussieht, haben wir eine gute Verbrennung.“ Wie trocken das Brennholz tatsächlich ist, lässt sich leicht überprüfen. Die Restfeuchte sollte höchstens etwa 20 Prozent betragen. Sicherheit gibt ein Holzfeuchtemessgerät: Gemessen wird am besten an einer frisch gespaltenen Stelle im Inneren des Scheits. Gelagert werden sollte Brennholz trocken, überdacht und gut belüftet, ohne direkten Kontakt zum Boden.
Nicht nur Zeitungspapier, auch Kartons, Papierverpackungen, behandeltes oder lackiertes Holz und andere Abfälle haben im Kaminofen nichts zu suchen. Verbrannt werden sollte ausschließlich dafür zugelassenes, trockenes und naturbelassenes Brennholz. Wenn ungeeignetes oder zu feuchtes Holz verbrannt wird, entstehen deutlich mehr Rauch und Schadstoffe. Gleichzeitig sinkt der Wirkungsgrad: Ein Teil der Energie wird dann verbraucht, zunächst das Wasser im Holz zu verdampfen, statt den Raum zu erwärmen.
Auch bei sachgerechtem Betrieb entstehen bei der Holzverbrennung Feinstaub und andere Luftschadstoffe. Durch trockenes Holz, die passende Brennstoffmenge und die richtige Bedienung lassen sich die Emissionen jedoch deutlich verringern. Starkes Qualmen ist deshalb nicht nur unangenehm, sondern ein Hinweis auf eine schlechte Verbrennung.
Und noch einen Rat haben Hammann und Wolf: Der Ofen sollte vorausschauend und bedarfsgerecht betrieben werden. Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel Holz, sondern ein heißer, sauberer Abbrand mit der passenden Brennstoffmenge.
„Richtig eingesetzt kann Holz fossile Energieträger ergänzen. Voraussetzung sind geeignetes trockenes Brennholz und ein möglichst effizienter und emissionsarmer Betrieb“, sagt Klimaschutzmanager Oliver Waltenrath. Dabei komme es jedoch auf das Gesamtkonzept des Gebäudes und auf einen möglichst effizienten und emissionsarmen Betrieb an. „Wer mit Holz heizt, sollte deshalb wissen, wie es richtig geht.“
Ein Kaminofen kann dabei beispielsweise mit einer Wärmepumpe oder einer anderen zentralen Heizungsanlage kombiniert werden. Als Zusatzheizung kann er an kalten Tagen zusätzliche Wärme liefern, während die Hauptheizung die Grundversorgung übernimmt.
Zum emissionsarmen Betrieb gehört außerdem die regelmäßige Wartung. Asche und Ruß sollten entfernt, Dichtungen und Sichtscheibe kontrolliert und der Ofen regelmäßig gründlich gereinigt werden. Wie häufig der Schornstein gekehrt werden muss, hängt von Anlage und Nutzung ab und wird vom Schornsteinfeger festgelegt. Wer einen älteren Kaminofen besitzt und unsicher ist, ob dieser die geltenden Anforderungen erfüllt, sollte Baujahr und Typenschild prüfen und sich an den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger wenden.
Die Wochen der Wärme beleuchten zu Beginn der Heizperiode verschiedene Aspekte der Wärmewende und bieten die Möglichkeit, sich unabhängig und praxisnah über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren. „Im Mittelpunkt stehen konkrete Tipps und Lösungen für eine effiziente und nachhaltige Wärmeversorgung“, sagt Waltenrath. Das zahlt sich schnell aus: 80 Prozent der Energie im Haushalt werden für Wärme und Warmwasser verbraucht, und oft lassen sich bereits durch eine Optimierung der bestehenden Anlage Energie und Heizkosten einsparen.
Informationen zu allen Veranstaltungen, insbesondere den vielfältigen Online-Vorträgen, gibt es über den Energiewegweiser des Landkreises unter www.energiewegweiser.de .
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