Nachfolge rechtzeitig regeln
von Landkreis Harburg am 17.06.2026wenn der Ruhestand näher rückt, kann der Unternehmer oder die Unternehmerin nicht einfach den Schreibtisch ausräumen, die große Abschiedsparty feiern und dann die Bürotür zum letzten Mal schließen. Die rechtzeitige und systematische Vorbereitung einer Unternehmensnachfolge ist eine große Herausforderung, die intensiv vorbereitet werden will. Denn schließlich gilt es, den Betrieb und damit das Lebenswerk dauerhaft zu erhalten und die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern. Wie das gelingen kann und was es dabei alles zu beachten gilt, verdeutlichten die Referentinnen und Referenten im Rahmen der Reihe „Wirtschaftsförderung vor Ort“ unter dem Motto „Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten: Chancen erkennen und wirkungsvoll auf den Weg bringen“.
Das Interesse an kompetenten Informationen war groß. Das zeigte sich bei der gelungenen Veranstaltung der Stabsstelle Kreisentwicklung / Wirtschaftsförderung / Mobilität des Landkreises Harburg und die Samtgemeinde Salzhausen: 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei, sowohl Unternehmenschefs, die nach einem Nachfolger suchen, als auch potenzielle Übernehmer.
Das lange selbst geführte Unternehmen zu übergeben, ist eine Entscheidung von großer Tragweite für jeden Unternehmer und jede Unternehmerin und nicht selten mit vielen Hoffnungen, aber auch Ängsten verbunden. Damit das gelingt, empfehlen Experten, die Übergabe sowohl innerhalb der Familie als auch an Externe rechtzeitig vorzubereiten und den bevorstehenden Generationswechsel gut zu kommunizieren. Unter der Überschrift „Herausforderung Unternehmensnachfolge: Lebenswerk erhalten – Nachfolge regeln" beleuchtete Sonja Bausch, Nachfolgemoderatorin bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg, dazu die wichtigsten Aspekte einer Unternehmensnachfolge – von den ersten Überlegungen bis zur Übernahme. Sie berät als Nachfolgemoderatorin unabhängig und neutral die Unternehmer und Unternehmerinnen und ihre potenziellen Nachfolger und Nachfolgerinnen.
„In Niedersachsen suchen jährlich etwa 5.000 Unternehmen Nachfolger – Tendenz steigend“, erläuterte Bausch. „Bei einem immer größeren Anteil gibt es Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger zu finden.“ Denn auf das Interesse der Kinder sollte der Unternehmer oder die Unternehmerin nicht unbedingt setzen: „Die Nachfolge innerhalb der Familie ist nicht mehr selbstverständlich.“ Sie rät, die Übergabe sowohl innerhalb der Familie als auch an Externe rechtzeitig vorzubereiten und den bevorstehenden Generationswechsel gut zu kommunizieren. Und das bedeutet nach Worten von Nachfolgemoderatorin Bausch, dass die Nachfolge bis zu sieben Jahre vor dem geplanten Ausstieg angegangen werden sollte. Die Nachfolgeberaterin weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung nur zu gut: „Oft wird die Unternehmensnachfolge zu spät angegangen.“
Doch die Zeit sei nötig: „Das Unternehmen muss nachfolgereif gemacht werden“, erläuterte sie. Nicht unterschätzt werden dürften auch emotionale Themen: „Loslasse braucht Zeit.“ Das gelte gerade auch für die familieninterne Nachfolge: „Lösen Sie erste alte Konflikte auf“, riet die Nachfolgemoderation. Und grundsätzlich gelte: „Holen Sie sich professionelle Hilfe.“
Für Betriebsgründerinnen und -gründer kann die Unternehmensnachfolge dagegen durchaus eine Chance zur klassischen Existenzgründung sein, wie Hanna Kleutsch, Nachfolgeberaterin der Handwerkskammer Lüneburg-Stade, deutlich machte. „Sie müssen nicht zwingend bei Null anfangen, um Unternehmerin und Unternehmer zu werden.“ Die Zahlen sprechen für sich: „Bis 2030 stehen bundesweit bis zu 125.000 Betriebe zur Übernahme an, viele davon kerngesund und ertragreich. Etwa 35 Prozent haben bisher keine Nachfolgeregelung identifiziert.“
Doch letztlich hätten beide Varianten ihre Vor- und Nachteile. So biete die Übernahme eine bestehende Kundenbasis, eingespielte Mitarbeiter, bewährte Prozesse und Maschinen, erfordere aber anderseits eventuell einen hohen Kapitalbedarf. „Man übernimmt aber nicht nur Chancen, sondern manchmal auch Altlasten, emotionale Konflikte und versteckte Risiken.“ Die Neugründung biete zwar komplette Gestaltungsfreiheit und eventuell geringere Anfangskosten, aber eben auch eine hohe Unsicherheit, zudem Kunden, Prozesse und Team neu aufgebaut werden. Für welche Variante man sich entscheide ist letztlich Typsache, wie Hanna Kleutsch deutlich machte und gab gleich einige Erfolgsgeheimnisse – wie „kein Zeitdruck, die Unternehmerrolle nicht romantisieren und die zukünftige Tragfähigkeit des Geschäftsmodells hinterfragen“.
Doch Bausch und Kleutsch gaben nicht nur Tipps, um den „roten Faden“ sowie die wichtigen Fragen und Antworten für eine solche Übergabe zu finden. Auch die verschiedenen Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten rund um Übergabe, Nachfolge und Übernahme waren Thema.
„Wirtschaftsförderung vor Ort“ ist eine Veranstaltungsreihe des Landkreises Harburg in Kooperation mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Interessierte im Landkreis Harburg. Ziel ist es, den Austausch zwischen Verwaltung, Institutionen und Unternehmen zu fördern, für aktuelle Themen und wichtige Herausforderungen zu sensibilisieren und über die verschiedenen, häufig unbekannten Unterstützungsangebote und finanziellen Fördermöglichkeiten zu informieren. Dazu geben anerkannte Experten und Praktiker aus Betrieben vor Ort Anregungen und Tipps.
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