Winsen, am Freitag den 09.10.2026

LK Harburg: Antworten rund um die Pflege zu Hause

von Winsen Aktuell redaktionell gekürzt am 09.10.2026


Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Sie kümmern sich Tag für Tag um Eltern oder Schwiegereltern, Partner, pflegebedürftige Kinder oder andere Familienmitglieder, organisieren Termine, begleiten zu Ärzten, helfen im Haushalt oder übernehmen die Pflege. Welche Unterstützung es dabei gibt und welche Fragen frühzeitig geklärt werden sollten, stand im Mittelpunkt des Aktionstags für pflegende Angehörige des Landkreises Harburg. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich im Winsener Kreishaus zu informieren, beraten zu lassen und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen.
„Ein ganz wesentlicher Teil der Pflege findet zu Hause in den Familien statt“, betonte Kreisrätin Ana Cristina Bröcking und würdigte den Einsatz der Angehörigen. „Sie haben einen ganz entscheidenden Anteil daran, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Zuhause leben können. Das ist eine enorme Leistung, die keineswegs selbstverständlich ist.“
Denn eine Pflegesituation verändert häufig das Leben der gesamten Familie. Beruf, Familie und Freizeit müssen neu organisiert, eigene Bedürfnisse zurückgestellt werden. Und nicht selten wird aus gelegentlicher Unterstützung nach und nach eine umfassende Verantwortung. „Wer pflegt, braucht deshalb auch selbst Unterstützung“, sagte Kreisrätin Bröcking. Der Landkreis will dabei helfen – mit dem Senioren- und PflegeStützpunkt ebenso wie mit Beratung und Angeboten wie dem Aktionstag.
Dabei wurde deutlich: Pflege umfasst weit mehr als die unmittelbare Versorgung eines Menschen. Welche Leistungen der Pflegeversicherung stehen mir zu? Wie lässt sich die Wohnung an veränderte Bedürfnisse anpassen? Wo finde ich Entlastung? Und was sollte für die letzte Lebensphase geregelt werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gaben Vorträge, Informationsstände und persönliche Beratungsgespräche. Besonders gefragt: die für die Veranstaltung erstellten Vorsorgeordner. Dabei kam es immer wieder zu intensiven Beratungen, an denen auch mehrere Familienmitglieder teilnahmen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag diesmal auf dem Thema „End-of-Life-Care“, also der Versorgung und Vorsorge in der letzten Lebensphase. Fachleute informierten unter anderem über die Leistungen der Pflegeversicherung, das Palliativnetzwerk im Palliativzentrum St. Marianus in Bardowick und die Bestattungsvorsorge. Auch Themen, die im Alltag gern verdrängt werden, gehörten damit bewusst zum Programm. „Vorsorge ist kein Thema nur für ältere oder bereits pflegebedürftige Menschen – sie geht uns alle an“, sagte Kreisrätin Bröcking. Wer sich frühzeitig mit Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder den eigenen Wünschen für die letzte Lebensphase beschäftige, schaffe Klarheit für sich selbst und für die Angehörigen.
An den Informationsständen standen unter anderem der Senioren- und PflegeStützpunkt des Landkreises, wir pflegen Niedersachsen, der Kreisseniorenbeirat, die Betreuungsstelle des Landkreises Harburg, die AOK und die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) für Gespräche zur Verfügung. Auch der Ambulante Hospizdienst und die ehrenamtlichen Wohnberater des Senioren- und PflegeStützpunkts berieten die Besucherinnen und Besucher. Zudem konnten bereits erstellte Vorsorgevollmachten beglaubigt werden – ein gern genutzter Service.
Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt angesichts der demografischen Entwicklung kontinuierlich. Rund 85 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden im häuslichen Umfeld versorgt, bundesweit sind das rund 4,9 Millionen Menschen. Für die Zahl der pflegenden Angehörigen gibt es nur Schätzungen, eine davon liegt bei 7,1 Millionen. Im Landkreis Harburg gibt es mehr als 14.173 Pflegebedürftige, knapp 5,5 Prozent der Bevölkerung – Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte – 7676 Menschen – werden von pflegenden Angehörigen betreut.

© Fotos: Landkreis Harburg


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