Winsen, am Freitag den 29.05.2026

„Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Winsen (Luhe)“ löst sich auf und übergibt Chronik

von Stadt Winsen (Luhe) am 29.05.2026


Bürgermeister André Wiese und die Stadtarchivarin Kim Liza Wienecke haben die Mitglieder der „Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Winsen (Luhe)“ im Rathaus empfangen und von ihnen die aus neun Bänden bestehende Chronik ausgehändigt bekommen. Nicht nur die Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg wird immer kleiner, sondern auch das Interesse nachfolgender Generationen an der alten Heimat ihrer Vorfahren nimmt ab. Als Konsequenz daraus hat sich die Winsener Landsmannschaft jetzt aufgelöst und die detaillierte, umfangreiche und sehr informative Chronik ihrer Geschichte zur Aufbewahrung dem städtischen Archiv übergeben. Hans-Dieter Kossack, seit 2004 Vorsitzender der Landsmannschaft: „Uns war wichtig, die Chronik für die Zukunft zu erhalten und Interessierten die Möglichkeit der Einsichtnahme einzuräumen. Im städtischen Archiv wissen wir die Dokumentation in guten Händen. Es ist ein kleiner Abschnitt in der Geschichte Winsens, der hier festgehalten ist. Aber er betrifft ganz viele Winsener Familien, die ihre Wurzeln in den Ostgebieten des ehemaligen deutschen Reiches haben.“ Im Oktober 1948, kurz nachdem die britische Besatzungsmacht den Ostvertriebenen die Erlaubnis zum Zusammenschluss in Landes- und Kreisverbänden erteilt hatte, gründete sich die „Landsmannschaft der Ostpreußen e.V.“ in Hamburg. Schon bald darauf, am 26. März 1950, erfolgte die Gründung der Winsener Landsmannschaft im Bahnhofshotel Isermann. Knapp 4 Jahre später, am 22.01.1954, wurde dann die Vereinigung von Ost- und Westpreußen beschlossen. Über die Jahre und Jahrzehnte war der Zusammenschluss als mitgliederstarker, reger Verbund der Heimatvertriebenen im gesellschaftlichen Leben der Stadt sehr präsent. Kappen- und Frühlingsfeste, Advents- und Weihnachtsfeiern, Fleckessen, Sommerausflüge, Fahrten ins Theater und zu den Deutschlandtreffen der Landsmannschaften, Heimatabende, Vorstandssitzungen, Jahreshauptversammlungen und Jubiläumsfeiern standen auf dem Programm. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Winsener Landsmannschaft im Jahr 2000 fand ein zwei Tonnen schwerer Gedenkstein aus Granit, den der Steinmetzmeister Georg David gestaltet hatte, seinen Platz auf dem Grundstück des Winsener Rathauses. Die Inschrift lautet: „Heimat im Osten – Verloren, aber nicht vergessen – Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen – 1950-2000.“ „Dieser Stein in der Grünanlage vor dem Rathaus verdeutlicht auch die Verbundenheit der Landsmannschaft mit der Stadt Winsen“, erläutert Bürgermeister Wiese. „Die in der Vereinigung zusammengeschlossenen Heimatvertriebenen haben nicht nur die Erinnerung an die alte Heimat wachgehalten und die Kultur dieser verlorenen Heimat gepflegt. Sie haben sich auch gegenseitig Mut und Zuversicht zugesprochen und daraus Kraft für einen Neuanfang hier in Winsen geschöpft. So haben die Vertriebenen dann bei uns – wie in vielen anderen Städten und Gemeinden im gesamten Land – ihr Schicksal in die Hand genommen, Aufbauarbeit geleistet und maßgeblich zu einer positiven Entwicklung, Wohlstand und einem guten Miteinander beigetragen. Nach dem Kriegstrauma und angesichts der widrigen Bedingungen für einen Neubeginn kann das gar nicht hoch genug bewertet werden.“ Die über 75-jährige Geschichte der „Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Winsen (Luhe)“ ist festgehalten in einer Chronik, die insgesamt 9 Bände umfasst und nach Auflösung des Zusammenschlusses jetzt dem Archiv der Stadt überlassen wurde. „Das ist ein sehr schönes Dokument der Zeitgeschichte“, erklärt die Winsener Stadtarchivarin Kim Liza Wienecke. „Wir sind sehr dankbar, dass die zusammengestellten Dokumente, Aufzeichnungen und Bilder nun ihren Platz hier bei uns haben. So bleiben sie für die Nachwelt erhalten und alle Interessierten können sie einsehen. Das Archiv als „Gedächtnis der Stadt“ ist um einen Schatz an Erinnerungen reicher geworden.“ Das Guthaben des Kontos der Landsmannschaft nach deren Auflösung geht an das Blasorchester der Feuerwehr Roydorf. Es hatte bei verschiedenen Veranstaltungen der Landsmannschaft aufgespielt und dadurch jeweils zum Gelingen beigetragen. Für das Blasorchester haben Hans-Heinrich Rüschmeyer und Peter Lühr einen symbolischen Scheck dankend entgegengenommen. Das Foto zeigt neben dem Vorsitzenden der Landsmannschaft Hans-Dieter Kossack (Zweiter von links), der Stadtarchivarin Kim Liza Wienecke (Dritte von links) und dem Bürgermeister André Wiese (Fünfter von rechts) auch die beiden Vertreter des Blasorchesters der Feuerwehr Roydorf (von ganz rechts: Peter Lühr und Hans-Heinrich Rüschmeyer), den ehrenamtlichen Stadtarchivar Kurt Schwerdtfeger (Dritter von rechts) und einige der noch verbliebenen Mitglieder der Winsener Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen.

© Fotos: Stadt Winsen (Luhe)


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook