„Das größte Geschenk, dass so schnell Hilfe da war!“
von Landkreis Harburg am 18.05.2026Mobile Retter im Landkreis Harburg: Treffen mit dem Lebensretter
Sehr geehrte Damen und Herren,
den 10. September 2025 wird Silke Gaedcke aus Meckelfeld ihr Leben lang nicht vergessen. Gerade erst von einer Urlaubsreise aus Schweden zurückgekehrt, fand sie ihren Ehemann Knud um kurz vor acht bewusstlos im Bett vor: keine Atmung, kein Herzschlag. Knud Gadecke hatte einen schweren Herzinfarkt erlitten, wie sich später herausstellen sollte. Er selbst kann sich erst wieder daran erinnern, wie er in einem Krankenhausbett im AK Harburg aufwacht. Nur dank der schnellen Reaktion seiner Frau, die sofort den Notruf „112“ wählte und dank des damals erst 18-jährigen Mobilen Retters Laszlo Przybylski hat er den dramatischen Mittwoch im September überlebt. Umso größer war seine Freude, dass sich nun ein Wunsch erfüllte: Er konnte seinen Lebensretter im Gymnasium Meckelfeld treffen und in die Arme zu schließen.
„Heute fühle ich mich gut, es waren nur acht Bypässe, und ein kleiner Herzklappenfehler wurde in Harburg gleich mitrepariert“, schmunzelt der seit 2022 pensionierte Diplom-Ingenieur zunächst, wird aber schnell ernst. „Wir möchten einfach nur Danke sagen. Was Du und die anderen Mobilen Retter im Landkreis leisten, ist einfach überlebenswichtig. Und das ja alles freiwillig!“.
„Das größte Geschenk für mich war, dass so schnell Hilfe da war. Erst Laszlo, dann auch der Rettungsdienst und schließlich der Notarzt“, erinnert sich Silvia Gaedke, die, angeleitet vom Disponenten der Rettungsleitstelle des Landkreises, direkt mit einer Herzmassage begonnen und ihren Mann und auch sich selbst mit „Wir schaffen das, wir schaffen das“ angefeuert hatte. Mehr als ein halbes Jahr später ist der eher norddeutsch-zurückhaltenden Frau immer noch sehr deutlich das Entsetzen des damaligen Tages anzusehen. Aber auch Erleichterung und große Dankbarkeit gegenüber Laszlo Przybylski, der ihren Mann gemeinsam mit ihr aus dem Bett hob und mit einem Schock-Abgabe des mitgebrachten Defibrillators ins Leben zurückholte.
Auch Laszlo Przybylski sagt: „Es ging alles sehr schnell.“ Um 07.56 saß er im Unterricht und hatte einen ganz normalen Schultag vor sich. Als er von der Rettungsleitstelle in Winsen über die Mobile-Retter-App alarmiert wurde, fackelte er nicht lange. Er schnappte sich seinen Autoschlüssel und war noch so geistesgegenwärtig, den Defibrillator aus der Schulaula mitzunehmen. „Mein Puls schoss schon in die Höhe, das Adrenalin ging hoch!“, erinnert sich Laszlo, der sich im Gymnasium gerade auf seine letzte mündliche Abiturprüfung in Mathematik vorbereitet. Die schriftlichen Prüfungen in Geschichte, Bio, Deutsch und Politik hat er bereits hinter sich. Er hat sich gern Zeit für Knud und Silke Gaedcke genommen, an die er sich noch gut erinnert: Es war sein erster Einsatz als Mobiler Retter. Seither sind drei weitere hinzugekommen. Der angehende Abiturient ist seit der 9. Klasse im zwanzigköpfigen Schulsanitätsdienst des Gymnasiums Meckelfeld und mittlerweile auch als ehrenamtlicher Sanitätshelfer in der DRK-Bereitschaft Winsen aktiv. Als er im Dezember 2024 18 Jahre alt wurde, war es für ihn völlig klar, sich zum Mobilen Retter ausbilden zu lassen: „Ich dachte: Einfach mal ausprobieren und habe Blut geleckt, habe gemerkt, wie viel es mir gibt, Menschen zu helfen und zu retten“, berichtet Laszlo.
3 Minuten und 30 Sekunden nach Ertönen des App-Alarms erreichte Laszlo das Haus der Gaedckes und leitete, unterstützt durch den Winsener Leitstellendisponenten und Silke Gaedcke, die Reanimation per Herzdruckmassage und Defi-Schock ein: „Ich war gut vorbereitet und wurde von der Leitstelle angeleitet, den inneren Ablauf konnte ich abrufen und die Aufregung ausblenden“, so Lazlo. Und das erwies sich als lebensrettend: Bei einem Herz-Kreislaufstillstand kommt es auf jede Minute an. Direkt nach dem ersten Elektroschock kam Knud Gaedcke mit eigenständiger Atmung und wahrnehmbarem Herzschlag ins Leben zurück. Zwar kollabierte er kurz darauf erneut und musste von Laszlo und dem mittlerweile eingetroffenen Rettungsdienst nochmals reanimiert werden, konnte dann allerdings stabil mit seiner Frau an seiner Seite ins Krankenhaus gebracht werden.
„Ich war einfach nur froh, dass ich erfolgreich helfen konnte“, blickt Laszlo Przybylski auf die erfolgreiche Lebensrettung zurück. Nach dem Abitur möchte er beim DRK Harburg-Land eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren und hat die Bewerbung bereits abgeschickt. Danach kann sich der 19-jährige ein Medizinstudium vorstellen, um vielleicht einmal als Notarzt zu arbeiten. Das erste Menschenleben hat der Mobile Retter bereits bewahren können.
Hintergrund: Allein 2024 erlitten schätzungsweise 136.000 Menschen in Deutschland einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses. In einer solchen lebensbedrohlichen Situation zählt jede Minute! Nach nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung beginnen Gehirnzellen unwiederbringlich abzusterben. Je schneller Wiederbelebungsmaßnahmen starten, desto höher ist die Überlebenschance und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Spätfolgen zu vermeiden oder zumindest abzumildern.
Die Mobilen Retterinnen und Retter im Landkreis Harburg leisten deshalb seit Mitte 2023 einen ganz entscheidenden Beitrag zur Rettung von Menschenleben. Mittlerweile stehen 841 dieser ehrenamtlichen Lebensretter bereit. Sie werden gemeinsam mit dem Rettungsdienst alarmiert, wenn sie sich in der Nähe des Notfalls befinden, und können aktuell in durchschnittlich unter 4 Minuten und so in fast 60 Prozent der Fälle noch vor dem Rettungsdienst vor Ort sein. Für diese Einsätze bringen sie oft Vorwissen und Erfahrung aus ihrem beruflichen Kontext oder anderen Ehrenämtern, zum Beispiel bei der Feuerwehr oder den Hilfsorganisationen, mit, werden aber auch gezielt ergänzend geschult. Zusätzlich alarmiert die Leitstelle über die Mobile-Retter-App einen Ersthelfenden, der oder die einen öffentlich zur Verfügung stehen AED Automatisierten Externen Defibrillator (AED) zum Notfallort bringt.
Möglich machen das die beiden koordinierenden Hilfsorganisationen DRK und JUH, die Notärzte im Kreis, die Freiwilligen Feuerwehren, die Kreisrettungsdienstgesellschaft, die DLRG und das THW sowie die beiden kreiseigenen Krankenhäusern Winsen und Buchholz, die das Projekt „Mobile Retter“ im Landkreis Harburg mit Unterstützung der Kreisverwaltung aktiv tragen. Ziel des Landkreises und der Mobile-Retter-Familie ist es, bis Jahresende auf 1.000 ehrenamtliche Lebensretterinnen und Lebensretter zurückgreifen zu können. Darüber hinaus ist der Landkreis Harburg seit November 2025 auch in eine regionsübergreifende Alarmierung eingebunden: Mobile Retterinnen und Retter aus anderen teilnehmenden Landkreisen wie Rotenburg (Wümme) oder Lüneburg werden bei Notfällen alarmiert, wenn sie sich hier im Kreisgebiet aufhalten und umgekehrt. Auch das kann zwischen Leben und Tod entscheiden: Schließlich pendeln nicht wenige Berufstätige in benachbarte Kreise und können nun auch dort vor Ort wichtige Hilfe leisten und Leben retten.
Wer sich selber ehrenamtlich als Mobiler Retter oder Retterin engagieren möchte, bringt im Idealfall medizinische Vorkenntnisse mit. Grundsätzlich können alle Erwachsenen mit der Mindest-Qualifikation betriebliche Ersthelferin beziehungsweise betrieblicher Ersthelfer und selbstverständlich weiterer medizinischer Berufe Mobile Retterin oder Retter werden. Interessierte werden mit einer dreistündigen theoretischen und praktischen Ausbildung, die regelmäßig aufgefrischt werden muss, auf den Einsatz vorbereitet. Als Ansprechpartner für „Mobile Retter“ im Landkreis Harburg steht Florian Fietz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Kreisverwaltung, sehr gerne zur Verfügung (E-Mail: mobileretter@lkharburg.de). Mehr Informationen zum Projekt Mobile Retter finden sich unter https://portal.mobile-retter.org/regionen/landkreis-harburg.
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