Bagger bereitet den Boden für die Heide
von Landkreis Harburg am 03.11.2026bisher war es eine Brachfläche, auf der sich vor allem die Spätblühende Traubenkirsche immer weiter ausgebreitet hat, nun wird es zum Refugium für Fauna und Flora: Am beliebten Spazierweg zwischen Handeloh und Höckel entsteht eine neue Heidefläche. Der Landkreis Harburg entwickelt das rund vier Hektar große Gelände im Rahmen seines Kompensationspools, die Arbeiten starten an diesem Mittwoch, 4. November. Dabei kommt auch ein Bagger zum Einsatz. Die Arbeiten dauern voraussichtlich zwei Wochen.
Wenn der Bagger loslegt, könnte es auf den ersten Blick so aussehen, als ob dort umfangreiche Bauarbeiten stattfinden. „Der Eindruck täuscht aber“, so Silke Hiller, die bei der Abteilung Umwelt des Landkreises für den Kompensationspool verantwortlich ist. „Das ist kein Bauvorhaben, sondern die Vorbereitung für ein geschütztes Biotop mit Callunaheide.“ Dazu zieht der Bagger den nährstoffreichen Oberboden ab. „Das ist so ähnlich wie das Plaggen in bestehenden Heidelandschaften.“ Danach erfolgt die Heideansaat mit heimischen Saatmaterial vom Brunsberg.
Auch die spätere Pflege ist bereits organisiert: Eine Heidschnuckenherde wird mit jedem Bissen das Heidekraut jung halten, das immer wieder frisch austreibt und im Spätsommer eine violette Blütenpracht entwickelt. Und wenn die Herde während der Heideblüte durch die Flächen zieht, reißen die Tiere zudem mit ihren Klauen die feinen Spinnweben zwischen den Heidepflanzen auf – und machen für die Bienen den Weg zu den Blüten frei.
So entsteht zwischen Handeloh und Höckel eine offene Heidelandschaft und ein wertvoller Lebensraum für inzwischen seltene Tier- und Pflanzenarten wie Solitärbienen, Grabwespen, aber auch Reptilien wie Schlingnatter und Zauneidechse und Vögel wie Schwarzkehlchen und Heidelerchen. Ergänzt wird die Heideflächen durch Magerrasen, Blütenbrachen und einen neuen artenreichen Waldrand.
„Die neue Heidefläche wird ein wichtiger Teil des erfolgreichen Biotopverbundes Nordheide, der sich von Hamburg bis in die Lüneburger Heide durch den ganzen Landkreis erstreckt“, sagt Armin Hirt von der Abteilung Umwelt. „Sie ist Korridor und Trittstein zwischen Büsenbachtal, Höckeler Heide und den Biotopkomplexen am Friedhof Handeloh.“ Die verschiedenen Naturschutzflächen des Verbundes verbinden Lebensräume für die seltenen und geschützten Tiere und Pflanzen und verhindern ihre Isolation.
Hintergrund: Wenn durch ein Bauvorhaben in die Natur eingegriffen wird, muss eine Kompensationsmaßnahme als ökologischer Ausgleich geschaffen werden. Als Service für Kommunen sowie gewerbliche und private Investoren bietet der Landkreis Harburg seit 2009 einen eigenen Kompensationspool an. So kann der Landkreis sinnvoll und zusammenhängend die Natur auf eigenen Flächen in allen drei Naturräumen des Landkreises – Geest, Marsch und Moor – entwickeln. Der Kompensationspool verfügt inzwischen über gut 250 Hektar. Die Projekte sind aufgrund ihrer hohen naturschutzfachlichen Qualität auch über den Landkreis hinaus bekannt.
Eine der ersten Maßnahmen war die Entwicklung der Este und ihrer Aue zwischen Podendorf und Emmen auf etwa 16 Hektar. Eine weitere Maßnahme sind die Waldentwicklungsflächen zwischen dem Naturschutzgebiet Brunsberg und der Sprötzer Heide. Sie sind mit die mit rund 55 Hektar die größten zusammenhängenden Naturwaldflächen des Landkreises.
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