Winsen, am Freitag den 02.10.2026

Am Büsenbachtal entsteht ein neuer Urwald

von Landkreis Harburg am 02.10.2026


ein Wald, in dem keine Bäume mehr gefällt werden und das Totholz liegenbleibt, in dem nur noch die Natur das Sagen hat und zahlreiche Tiere und Pflanzen einen Lebensraum finden: Genau darum geht es künftig in einem Teilbereich des Naturschutzgebiets „Büsenbachtal und Wörmer Wälder“. Anfang Oktober setzt die Abteilung Umwelt des Landkreises Harburg dort ihre Waldpflege- und Entwicklungsmaßnahmen fort, koordiniert von der Forstbetriebsgemeinschaft Jesteburg.

„Dabei entsteht im Anschluss an die Bebauung zum Kiefernweg ein Waldwildnisareal“, sagt Armin Hirt von der Abteilung Umwelt. „Hier wird man auf mehreren Hektar ab sofort die Entwicklung eines neuen Urwaldes mitverfolgen können.“

Der Landkreis knüpft mit den Arbeiten ab Anfang Oktober an die erfolgreichen Waldpflege- und Entwicklungsmaßnahmen des vergangenen Jahres im Büsenbachtal und im Schulwald in Handeloh an. Dort wurde der Waldrand an den Heideflächen als lichter Wald-Heide-Übergangsbereich zum Lebensraum für Heidelerche und Schlingnatter umgestaltet. Das zahlt sich aus: „Der Bereich hat sich absolut positiv entwickelt“, resümiert Hirt.

Nun folgt die Fortsetzung. Da sich einige Anwohnerinnen und Anwohner nach den letztjährigen Maßnahmen fragten, ob ein lichter Wald zukünftigen Stürmen mehr Angriffsfläche bietet und ihr Grundstücke gefährdet sein könnten, entsteht das „Waldwildnisareal“ als Ergänzung zu den geplanten lichten Heidewäldern im Naturschutzgebiet. Denn im Übergang zu den wertvollen Eichenwäldern wird im Talgrund einer alten Schmelzwasserrinne ein Nadelwald aus Fichte und Kiefer gegen einen Laubwald aus Birke und Eiche ausgetauscht.

Die Nadelbäume wurden in den 1970er-Jahren gepflanzt – bereits seit dem 19. Jahrhundert waren Kiefern und Fichten als „Brotbaum“ der Waldbesitzer gerade auf den mageren, sandigen Heideböden als schnelle Holzlieferanten beliebt. Doch in den monotonen Wirtschaftsforsten finden nicht nur wenige Tiere und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum, sie sind auch ungünstig für die wichtige Grundwasserneubildung. So auch im Büsenbachtal. „Das war damals wirtschaftlich sinnvoll und ist heute ökologisch nicht mehr vertretbar“, betont Hirt. „Die Bestände sind leider so uniform und zudem in schlechtem Zustand, dass alle Bäume bis auf wenige Ausnahmen entnommen werden müssen.“ Im Anschluss erfolgt eine natürliche Wiederbewaldung durch Samenanflug von Birke, Eberesche und Eiche. „Diese Methode hat sich schon in den Sprötzer Fuhren am Brunsberg bewährt.“

Der junge Laubwald bildet dann künftig einen lichten Übergang zu den beeindruckenden Eichen- und Buchenbeständen des Hengsthoop. Da sich selbst unter den naturfernen Fichtenkulturen am Grund der Schmelzwasserrinne heute feuchte Stellen zeigen, gehen die Fachleute davon aus, dass sich nach der Entnahme der Nadelbäume partiell ökologisch sehr wertvolle Feucht- und Anmoorbiotope ähnlich des Kleinen Sonnenmoores am Büsenbach einstellen können. Das hat einen zusätzlichen Effekt: „Die Maßnahme trägt damit auch maßgeblich zur Grundwasserneubildung in der Region bei.“

Neben weiteren Maßnahmen am Höckeler Weg, am Brunsberg, in der Sprötzer Heide, Höckeler Heide und Wulmstorfer Heide wird das Projekt ein Baustein zum Aufbau des Biotopverbundes Nordheide sein, der zukünftig von Hamburg bis in die Lüneburger Heide reicht und dessen erste Konzeptideen sogar eine finanzielle Unterstützung aus Berlin erhalten haben. „Wir schaffen einen Korridor und Trittsteine zwischen verschiedenen Naturschutzflächen“, erläutert Armin Hirt. „Das verbindet die Lebensräume seltener und geschützter Tiere und Pflanzen, verhindert so ihre Isolation.“ Das nützt beispielsweise Reptilien wie Schlingnatter, Zauneidechse oder Blindschleiche, aber auch Wildbienen, Schmetterlingen und Insekten, die besonders geschützt sind und innerhalb des Korridors neue Refugien finden.

Während der Maßnahmen kann es zu kurzzeitigen Behinderungen und Wegesperrungen kommen, auch Maschinenlärm wird teilweise zu hören sein. Landkreis und Forstbetriebsgemeinschaft weisen darauf hin, dass die Sperrungen und Verhaltenshinweise unbedingt zu beachten sind, um Unfälle zu vermeiden. Die Wege werden, wie im vergangenen Jahr, nach Abschluss der Arbeiten für Anwohner und Erholungssuchende wieder hergestellt. Der Landkreis Harburg bittet die Bürgerinnen und Bürger um Verständnis für die vorübergehenden Beeinträchtigungen durch die Waldentwicklungsarbeiten.

© Fotos: Landkreis Harburg


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