Winsen, am Mittwoch den 11.02.2026

Altes Backhaus in neuem Glanz

von Landkreis Harburg am 11.02.2026


Denkmalschutz unterstützt Sanierung in Lüllau
Über dem Ofenloch hat sich der Ruß der Jahrzehnte in die Steine geradezu tief eingebrannt. Schwarz glänzen sie noch heute, als hätten sie all die Feuer, die hier einst loderten, für immer bewahrt. Wer einen Moment innehält, meint fast, den würzigen Holzrauch noch zu riechen – eine Ahnung von Ruß, Feuer und frisch gebackenem Brot scheint in der Luft zu liegen. Doch das Feuer in dem alten Steinbackofen ist seit Jahrzehnten erloschen. Das allerdings soll sich bald wieder ändern. Denn das alte Backhaus mit dem Ofen auf dem Brookhoff in Lüllau erstrahlt in neuem Glanz. „Das Backhaus gehört einfach dazu“, sagt Besitzer Achim Peters. Den müsse man einfach erhalten. Unterstützung hat er dabei von der Denkmalpflege des Landkreises Harburg erhalten, und unter anderem über EU-Fördertöpfe konnte ein Großteil der Kosten gedeckt werden.
Klein und beinahe unscheinbar steht das alte Backhaus direkt an der Dorfstraße, gleich an der Hofeinfahrt. Gleich dahinter murmelt leise ein kleiner Quellbach. Die gesamte Hofanlage mit Bauernhaus, Dorfkrug, Wassermühle, Schafstall, Speicher, Hofeichen – und eben dem Backhaus – ist ein denkmalgeschütztes Ensemble und vermittelt einen Eindruck, wie ein großer Heidehof früher aussah. Doch der Ort wirkt nicht wie ein Museum, sondern voller Leben. Und auch in das Backhaus soll wieder Leben einziehen.
Einst war das Backhaus ein unverzichtbarer Teil des Landlebens – aus Feuerschutzgründen meist freistehend und etwas abseits gelegen. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war es auch in Lüllau üblich, Brot selbst zu backen – für den Hof ebenso wie für die Nachbarschaft. Ende des 19. Jahrhunderts war das Backsteingebäude errichtet worden und gehört damit zu den jüngeren Backhäusern, die es im Landkreis Harburg noch gibt. Das Innere prägt der klassische Steinbackofen. Die Backfläche besteht aus Schamottsteinen, das Gewölbe aus feuerfesten Ziegeln. Der Ofen wurde direkt im Backraum befeuert, ohne separate Brennkammer. Durch diese direkte Befeuerung entstand eine enorme Anfangshitze, die sogenannte Einschießtemperatur. Danach fiel die Hitze langsam und gleichmäßig ab – ideal für kräftiges, dunkles Brot, das lange haltbar war.
Über Jahrzehnte wurde der Ofen auf dem Brookhoff etwa alle vier Wochen angeheizt. „Bis zu 100 Brote wurden dann gebacken“, erzählt Achim Peters. Eine aufwendige Angelegenheit: Vier bis fünf Stunden lang wurde aufgeheizt, bis die Temperatur in der Backkammer 230 bis 240 Grad betrug und das Brot durch die Schüre, also das Ofenloch, in das Innere geschoben wurde. Um zu prüfen, ob es dort schon heiß genug war, wurde ein Laib mit einer Ähre Gerste hineingeschoben – „wenn sie hell blieb, war es noch nicht warm genug“.
Achim Peters kennt das Backhaus seit seiner Kindheit – nur die „Backzeit“ war damals bereits beendet. Seit er sich erinnern kann, diente der Backsteinbau als Schuppen. „Da stand alles Mögliche drin. Mein Opa hatte sogar mal die Idee, Garagen draus zu machen.“ Doch daraus wurde nichts, und im Laufe der Zeit wurde der Bau immer weiter sich selbst überlassen und verfiel. Das Dach war undicht, die Wände wiesen tiefe Risse auf, Schutt bedeckte den Boden. So musste das Gebälk nun teilweise ebenso erneuert werden wie der Schornstein, für den die alten Steine wiederverwendet wurden.
Nun erstrahlt das Backhaus wieder wie vor fast 150 Jahren – sorgsam restauriert und bereit für eine neue Zukunft. Doch Achim Peters will dafür sorgen, dass es nicht nur als Denkmal steht und die Hofanlage schmückt, sondern es auch zu neuem Leben erwecken – und dort unter anderem Backtage veranstalten, um die um die alte Tradition neu aufleben zu lassen. Dann wird vielleicht erneut Rauch aus dem Schornstein steigen, Holz knacken, und der Duft von frischem Brot sich zwischen den alten Eichen ausbreiten.
Das Backhaus in Lüllau ist eins von rund 1.000 Denkmalen im Landkreis Harburg, die die Landschaft oft schon seit Jahrhunderten prägen. „Die alten Backhäuser, die als solche erlebbar sind, sind aber eine Seltenheit“, sagt Caroline Kleinert, die Denkmalschutzbeauftragte bei der Kreisverwaltung. Etwa 20 alte Backhäuser sind landkreisweit als Kulturdenkmale registriert, überwiegend Fachwerkgebäude, die älteren ursprünglich noch reetgedeckt. Viele größere Backhäuser wurden in der Vergangenheit zu Wohnungen umgebaut. „Bei kleineren ohne sinnvolle Nutzung droht leider oft der Verfall“, so die Beobachtung von Caroline Kleinert. Umso mehr freut sie sich über die Sanierung in Lüllau. „Dieses Backhaus ist schon besonders, weil es als Massivbau errichtet wurde.“
Rund 60.000 Euro haben die Arbeiten gekostet, die die Denkmalpflege eng begleitet hat – und für die es rund 42.000 Euro an öffentlicher Förderung als EU-Mittel aus dem Leader-Programm sowie 5.500 Euro vom Landkreis und 5.000 Euro von der Gemeinde Jesteburg gab. Denn wer ein Denkmal hat, wird mit seinem Projekt nicht alleingelassen: „Als Denkmalpflege beraten wir, wie sich Schutzwürdigkeit und Nutzungsinteressen optimal vereinbaren lassen. Aber auch finanzielle Förderung durch den Landkreis von bis zu 25 Prozent oder maximal 10.000 Euro für ein Projekt ist möglich.“ Kleinert liegt der Erhalt der Denkmale am Herzen: „Das sind Gebäude, die nicht nur eine große Geschichte und baukulturelle Bedeutung haben, sondern auch einen Blick in die Vergangenheit bieten und das Selbstverständnis und die Identifikation mit der Region prägen. Ohne diese Kulturdenkmale würde die Landschaft nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein wenig ihr Gesicht und ihre Seele verlieren“, betont Caroline Kleinert.
Bild © Landkreis Harburg / Bildunterschrift 1:

© Fotos: Landkreis Harburg


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